Supervision für Jurist:innen

Gerade die rechtsanwaltliche Tätigkeit ist von einem hohen Erwartungsdruck durch Mandanten, Kollegen, Gerichte und Vorgesetzte gekennzeichnet. Hinzu kommen ein hoher Termindruck, eine Fülle an unterschiedlichen Fallgestaltungen und eine Masse an Akten, die von Einzelnen schwer zu bewältigen sind. Für Selbstständige kommt die Akquisearbeit hinzu und je nachdem wie erfolgreich die Kanzlei wirtschaftlich ist, macht so manch ein(e) Kolleg:in auch die Buchhaltung noch selbst.

"Die glühende Akte"

Sieben Jahre lang hatte ich eine Kanzlei mit mehreren Angestellten und dem Schwerpunkt Immobilienrecht. Ich hatte immer viel zu tun. Ich weiß, wann der Job anstrengend ist, dass Fehler - so glaubt man - nie verziehen werden. Denn Mandant:innen kommen ja gerade, damit kein juristischer Fehler gemacht wird. Und doch soll es in der ein der anderen Kanzlei vorgekommen sein, dass etwas übersehen wurde. Die NJWs der letzten drei Jahre wurden eben doch nur überflogen. Der Fristeneintrag wurde eben doch nicht überprüft. Die Wiedervorlage wurde zum x-ten Mal verschoben. Akten bleiben liegen. Und irgendwann wird die erste zur "glühenden Akte".

Kennen Sie die "glühende Akte"?

Das ist einen Akte, die Ihnen beim einfachen Gedanken an sie, schon die Schweißperlen auf die Stirn treibt. Sie anzufassen bedeutet, sich die Finger zu verbrennen.

Und meist ist es noch nicht ein Mal ein rechtlich schwieriger oder komplizierter Fall:

Da hat ein Freund mal sein Auto verliehen. Und es kam wie es kommen musste. Seine Bekannte, die Fahrerin, stand an der roten Ampel und der Hintermann bekommt (auf dem Weg zum Kardiologen) einen Herzinfarkt und fährt hinten auf. Ungelogen - so war der Sachverhalt, ich denke mir das nicht aus.

Der Wagen wird also abgeschleppt und beim Abschlepper kostenpflichtig abgestellt. Mein Freund beauftragt einen Anwalt. Der schreibt die gegnerische Versicherung an und macht zunächst alles richtig. Auf Nachfrage meines Freundes sagt der Kollege, er solle den Wagen da stehen lassen, die Versicherung übernehme die Stellplatzkosten.

Die Zeit geht ins Land...

Zwischenzeitlich hatte die Versicherung wohl geschrieben, ein Sachverständiger war auch draußen gewesen, aber der Anwalt reagiert letztendlich nicht mehr. Und je mehr Zeit vergeht, desto teurer werden die Stellplatzkosten und irgendwann lässt der Anwalt sich verleugnen.
Letztlich hat der Anwalt die Stellplatzkosten übernommen. Ein andere Kollege musste ihn diesbezüglich etwas in die richtige Richtung schubsen. Das ist so eine typische glühende Akte.

Natürlich hat der Kollege den Fehler gemacht, vor dem wir unsere Mandant:innen immer warnen:
Er hat sich seiner Angst hingegeben und den "Kopf in den Sand gesteckt".

Wenn es erst einmal soweit ist, ist die Existenz der Kanzlei in Gefahr, denn nichts schadet dem eigenen Ruf mehr, als ein solches Verhalten. Doch das Phänomen der "glühenden Akte" bleibt. Auf den letzten Drücker werden diese Akten dann doch noch bearbeitet und wir haben eine Unmenge an Energie aufgebracht und viel ungesunden Stress erleiden müssen, bis sie endlich weg vom Tisch ist. Und die nächste glühende Akte kommt bestimmt - denn die Gründe für ihr Entstehen sind nicht abgestellt worden. Mit der Bearbeitung der Akte haben wir nur das Symptom bekämpft.


Perfektion?

Sowas kennen Sie alle nicht, richtig? Sie haben alle ein perfekt organisiertes Büro. Eine Akte suchen zu müssen, würde in Ihrem Büro niemals vorkommen. Niemandem bei Ihnen im Haus passieren Fehler. Wäre auch nicht schlimm, wenn eine Ihrer Fachangestellt:innen mal etwas falsch macht, denn Sie kommen Ihren Prüfpflichten täglich gewissenhaft nach, nicht wahr?

Sie wissen auf alles die Antwort und kennen jedes mehr oder weniger einschlägige Urteil der höchstrichterlichen Rechtsprechung. Ihnen ist noch nie ein Fall über den Kopf gewachsen und sie hatten auch noch nie das Bedürfnis, einfach alles hinzuschmeißen und dem Mandanten mal so richtig die Meinung zu sagen. Ihnen ist noch nie im Gerichtssaal die Spucke weggeblieben, ob der Unkollegialität des gegnerischen Kollegen. Völlig klar, dass Ihre Mandanten alle Rechnungen pünktlich bezahlen. Völlig klar, denn Sie sind Rechtsanwalt/Rechtsanwältin und immer hellwach.

Sie nehmen Ihre Mandanten schützend unter Ihre Robe und dort sind sie sicher vor jedem Ungemach, das die juristische Umwelt bereit halten mag. Sie sind souverän und stark und haben die Lage immer voll im Griff.


Ich behaupte: Das ist alles schöner Schein!

Und ich spreche es hier klar und deutlich aus: Rechtsanwält:innen wissen nicht alles. Sie können nicht alles und selbst, wenn sie sich spezialisiert haben, machen sie mal einen Fehler. Das ist normal. Der Vorstand einer Vermögensschadenshaftpflichtversicherung sagte mir einmal, dass 2-3 Haftpflichtfälle pro Jahr einkalkuliert würden.

Und liebe Kolleg:innen, ich sage Ihnen noch etwas sehr deutlich: Die Mandant:innen wissen, dass Sie nicht perfekt sind. Und sie verzeihen Fehler. Und dafür muss man die Fehler noch nicht einmal "gut verkaufen" oder die Schuld auf das Gericht schieben.

Ich habe in den sieben Jahren einmal einen Fehler gemacht, der mich meine Haftpflichtversicherung hätte anrufen lassen müssen. Gott sei Dank blieb es bei diesem einen Mal. Es ging nur um 2.500 EUR - also alles kein Weltuntergang. Aber diese Schmach! Es war wahrlich kein schönes Gefühl, dem Mandanten den Fehler zu gestehen und anzubieten, den Schaden auszugleichen. Der Mandant hat dankend abgelehnt mit dem Hinweis, ich habe doch sicherlich eine Selbstbeteiligung und das müsse doch alles nicht sein. Dann hat er mir den nächsten Fall auf den Tisch gelegt. Sowas nenne ich Mandantenbindung. 

"Supervision" als Mittel der Wahl

Supervision ist die systematische Reflexion des beruflichen Handelns mit dem Ziel der Sicherung und Erweiterung der professionellen Kompetenz mit Hilfe eines Supervisors.

Um einen professionellen Umgang mit den Herausforderungen der juristischen Berufe zu gewährleisten, ist die Supervision das angemessene Mittel. Längst gehört sie in anderen existenziellen Branchen (Medizin, Therapie, soziale Arbeit) zum Alltag, um es gar nicht erst zu ausweglosen Situationen kommen zu lassen. Supervision reflektiert das eigene Handeln so regelmäßig, dass eine permanente Optimierung die Folge ist. Je nach Art der Supervision werden bspw. besonders "glühende Akten" im Team oder allein supervidiert. Letztlich kann alles Thema werden, dass sich auf den Berufsalltag auswirkt. Denn nur durch einen reflektierten Umgang mit den Hindernissen und Stressoren können wir den Arbeitsalltag verbessern.

Inhalt der Supervision
Kollegiale Beratung

Ich biete Ihnen die Supervision u. a. zu folgenden Themen:

  • Arbeits- und Büroorganisation
  • Mandantenbindung
  • Akquise
  • Stressabbau
  • Kollegiale Beratung
  • Die glühende Akte löschen
  • Selbstvertrauen
  • Mitarbeiterführung, Mitarbeiterkontrolle
  • Selbst- und Motivationsmanagement
  • Authentisches Auftreten
  • Widerstandfreie Rhetorik
  • u. v. m.

Die Supervision ist üblicherweise eine auf Dauer angelegte Optimierung des Berufsalltags. Während das klassische Coaching zielgerichtet für bspw. 10 oder 20 Stunden oder als Block-Coaching gebucht wird, stehen Supervisor:innen für längere Zeit (mehrere Monate oder Jahre) für eine vereinbarten Stundenzahl pro Monat in regelmäßigen Terminen zur Verfügung. Die Zielrichtung der Supervision wird von Termin zu Termin neu festgelegt. Nach zwei bis drei Jahren sollte spätestens der/die Supervisor:in gewechselt werden, um die Qualität weiterhin zu gewährleisten und regelmäßig neuen Input ins Büro zu bringen.


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Damit sich alle Geschlechter gleichermaßen angesprochen fühlen, habe ich versucht, weitestgehend zu gendern. Dort wo ich der Lesbarkeit zu Liebe nicht gegendert habe, bitte ich die jeweils anderen Geschlechter, sich mit angesprochen zu fühlen.

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